Wie fuhren wir vor 90 Jahren?

Die Geschichte des Automobils ist noch gar nicht so alt. Was für ein Renner das Auto werden würde, hätten sich die Automobil-Väter wohl kaum träumen lassen. Als Ernst-Auto 1926 von Willy Ernst gegründet wurde, steckte das Auto selbst noch in den Kinderschuhen. Der Blick zurück mutet aus heutiger Sicht teils nostalgisch, teils kurios an.


Wofür man vor fast einem Jahrhundert noch einen halben Tag brauchte, erledigt sich heute in einer guten halben Stunde. Die Rede ist von Strecken, die man heute mit dem Auto zurücklegt. Vor 90 Jahren war das Verkehrsnetz noch auf die primären Transportmittel ausgerichtet: den Pferdekarren und die Kutsche. Die Straßen bestanden aus Lehmpisten, Kopfsteinpflaster oder Schotter. In den Städten wurden Hauptverkehrswege bereits asphaltiert, doch Autobahnen und Schnellstraßen folgten erst später. Den Verkehr in der Stadt regelte der Schutzmann per Handsignal. Und die wenigen Autos, die auf den Straßen unterwegs waren, besaßen jene lange Schnauze, die zum Merkmal der klassischen Oldtimer werden sollte. In dieser langen Frontpartie saß neben den Scheinwerfern der Motor, der in der Regel 30 bis 40 PS mit ca. 1000 ccm Hubraum besaß. Die Türen öffneten sich für besseren Ein- und Ausstiegskomfort nach vorne. Als Aufprallschutz diente lediglich die Stoßstange. Der Gurt war zwar bereits erfunden worden, gehörte aber nicht zur Standardausstattung.


Die Regale voller VW Käfer
Ernst-Auto vertrat in seinen Anfangsjahren die Marken Adler (PKW), Büssing (LKW) und ab 1948 dann VW. Bereits seit Ende der 1930er-Jahre wurde der VW Käfer gebaut, der in den Jahren des deutschen Wirtschaftswunders einen wahren Siegeszug auf deutschen Straßen hinlegte. Bis 2002 galt er als meistverkauftes Auto auf der Welt, bevor er vom „kleinen Bruder", dem VW Golf eingeholt wurde. Ernst-Auto hielt den Käfer in zweistöckigen Lagerregalen Stoßstange an Stoßstange vorrätig. In besonderer Erinnerung mag langjährigen Ernst-Mitarbeitern und -Kunden in diesem Zusammenhang vielleicht die „Käfer-Kolonne" geblieben sein. Die Neuwagen wurden damals vom Nürnberger Großhändler aus mit dem Zug am Coburger Güterbahnhof angeliefert. Von dort aus ging es in der Kolonne – ein rotes Nummernschild vorne auf dem ersten und eines hinten auf dem letzten Käfer – ins Coburger Autohaus. Und dort kamen die Käfer ins Regal.

 

Mobile Leidenschaft als Sprit für Automobilität
Entschied man sich damals für ein Auto, fiel die Entscheidung automatisch auf das vorrätige Modell. War der Käfer nur in Himmelblau vorrätig, fuhr man ihn mit Freude in dieser Farbe. Zum Ende der 1950er-Jahre wuchs die Auswahl der Ausstattungsmerkmale langsam und mit ihnen auch die Wünsche der Autokunden. In dieser Zeit erreichte mit dem VW Bus ein weiterer Verkaufsschlager das Ernst-Autohaus. Die heutige Werkstatt fungierte damals als Ausstellungsraum für die Nutzfahrzeuge. Historische Fotos erzählen davon, wie groß die Neugier der Ausstellungsbesucher auf den Komfort und die Funktionsweise der neuen Modelle war. Bis heute sind die Liebe zum Automobil und der Wunsch, sich individuell fortzubewegen, der entscheidende Bewegrund für den Kauf eines Neuwagens geblieben. Allerdings hat sich der Markt drastisch verändert: Die höchste Angebotsbreite aller Zeiten in allen Budgetlagen und mit allen denkbaren Ausstattungsvarianten macht den Autokauf zum äußerst beratungsintensiven Geschäft. Dazu passt die Entwicklung bei Ernst-Auto. Aus den anfänglichen 3 Verkäufern sind im Laufe von 90 Jahren 6 FachberaterInnen geworden, die ihre Kunden mit Know-how und einer großen Leidenschaft für das Auto beraten. Man darf gespannt sein, wie wir in 90 Jahren über das heutige Kapitel Autogeschichte schreiben ...

Die Geschichte des Bestsellers

Der VW Golf

Der neue Golf schreibt auch in der siebten Generation Geschichte. Vielleicht beeinflusst er ja auch Ihre eigene.