Kfz-Berufsbilder im Wandel der Zeit.

Seit August 2003 gibt es offiziell den Beruf Kraftfahrzeugmechaniker/in nicht mehr. Laut neuer Ausbildungsordnung ist dieser Beruf seitdem unter der Bezeichnung Kraftfahrzeugmechatroniker/in zu führen. In dieser Ausbildungsverordnung ist der Sachverhalt berücksichtigt worden, dass der Bereich der Elektronik hier immer wichtiger wird.

Wir haben sowohl Kfz-Mechaniker als auch Kfz-Elektriker ausgebildet und eingestellt. Die Hauptaufgabe eines Kfz-Mechanikers war die Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen; für die Elektrik an den PKWs bzw. LKWs war der Kfz-Elektriker zuständig. Von den Kabeln ließ man also lieber die Finger und konzentrierte sich aufs „Schrauben". Heutzutage muss man aber "alles" können.

Erfahrungen und Erlebnisse schildern zwei unserer Spezialisten in einem Interview.

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Werner Schmidt begann am 01.01.1986 nach erfolgreicher Absolvierung der Ausbildung und seinem Bundeswehraufenthalt als Kfz-Elektriker in unserer Werkstatt.
Seit vielen Jahren ist er nun Werkstattleiter der Abteilung Nutzfahrzeuge bei Ernst-Auto.

Wie sah deine Ausbildung damals aus? Habt ihr nur die Instandhaltung und Reparaturen der Elektrik am Kfz gelernt und nichts „geschraubt"?

WS: In meiner Ausbildungszeit zum Kfz-Elektriker ab 1979 wurde mir ein für damalige Zeiten breites Spektrum an Instandsetzungsarbeiten rund ums ganze Fahrzeug zu teil. Der Schwerpunkt hierbei war natürlich alles, was "elektrisch" war. Die elektronischen Systeme waren erst in den Kinderschuhen vorhanden und dann eher der Premiumklasse vorbehalten. Zur Frage der reinen "Schraubertätigkeit" habe ich mich an dem Leitspruch meines Großvaters bedient: "Du kannst alles mit deinen Augen stehlen." Heißt: Den Kollegen zusehen, sie ausfragen und so oft als möglich selbst ausprobieren, um so die "Schublade der Erfahrungen" zu füllen. 

War es für dich anschließend schwierig, als du als gelernter Kfz-Elektriker plötzlich auch die typischen Arbeiten der Mechaniker anwenden musstest?

WS: Die Mechanik als solches ist eher begreifbar, im doppelten Sinn: Ich kann mir Abläufe und Baugruppen ansehen, zerlegen und zusammenfügen. Insofern war es oder ist es heute noch mit der Mechanik einfacher die Zusammenhänge umzusetzen. 

 

Bist du heute noch „der Spezialist" wenn es um die Elektrik geht? Oder sind die Kfz-Mechatroniker von heute genauso fit?

WS: Ob ich heute noch "DER" Spezialist bin? Ich würde behaupten, dass ein sehr gut ausgebildeter Kfz-Mechatroniker von heute ein wesentlich größeres Feld abdecken muss. Und zwar in der selben Ausbildungsdauer, als es bei mir und den anderen Kollegen meines Jahrgangs damals der Fall war. Wir hatten da Zeit in die Systeme reinzuwachsen und Erfahrungen zu sammeln bzw. aus Fehlern zu lernen. Die können wir uns heute nicht mehr leisten. Hierfür gibt es dann eben die Spezialisten für verschiedenste Baugruppen. Der Kfz-Mechatroniker verbindet heute beides: Elektronik und Mechanik. Das ist nicht mehr trennbar; Mechanik ohne Elektrik im Kraftfahrzeug gibt's nur noch bei den Oldies.


Erzähl mir von den letzten 30 Jahren, die du bei der Ernst-Familie verbracht hast.

WS: In dieser Zeit habe ich schon die vielfältigsten Bereiche während meiner Berufslaufbahn durchlebt. Wie gesagt, vom Auszubildenden ("Stift"), bis zum Meister und Servicetechniker. Was mir persönlich wichtig ist: Die Begeisterung für die automobile Technik, vom einfachsten Käfer bis zum Premium-Modell beizubehalten. Ich habe Spaß an meiner Arbeit, hab ein angenehmes Umfeld und wenn man schon 30 Jahre auf der "Uhr" hat, spricht das ja für sich. Und wir, die Ernst-Familie, lebt das: 90 Jahre am Markt - das soll erst mal einer "nachmachen". :-)

 

 

Andreas Ludwig hat am 15.08.1998 seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker bei uns absolviert. Heute ist er zertifizierter Servicetechniker und stellvertretender Werkstattleiter in unserer PKW-Werkstatt.

Erzähl uns von den Ausbildungsinhalten Ende der 90er, als du deine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolviert hast.

AL: Die Ausbildung damals war sehr auf die Mechanik ausgelegt. Wir hatten z.B. Wochenlehrgänge in der Handwerkskammer, in denen wir Werkstücke anfertigen (sägen, feilen, bohren, biegen, usw.) mussten. Außerdem lernten wir den Zahnriemenwechsel mit Steuerzeiten einstellen und Förderbeginn, besuchten Schweißlehrgänge und lernten die verschiedenen Einspritzsysteme und Ventile kennen. Zum Thema Elektrik haben wir tatsächlich kaum etwas gelernt. Die grundlegensten Dinge wurden kurz angeschnitten und wenig vermittelt. Themen wie Relaisschaltung, Messen von Spannung, Ampere und Widerstand wurden uns näher gebracht, "Can-Bus" war aber überhaupt noch kein Thema.

 

Welche Ausbildungsinhalte vermittelst du zusätzlich zu dem, was du gelernt hast inzwischen an die jetzigen Auszubildenden, die seit 2003 den Beruf Kfz-Mechatroniker erlernen?

AL: Ich lege Wert darauf, gerade die Sachen, die ich gelernt habe, zu vermitteln, da meiner Meinung nach durch die Zusammenführung zweier Berufe die Mechanik etwas zu kurz kommt. Wenn z.B. eine Schraube abreißt, ausgebohrt oder etwas geschweißt werden muss, ist das kein Hexenwerk. Aber: Es wird nicht mehr in der Handwerkskammer gelehrt oder eben nur sehr oberflächlich.
Außerdem versuche ich meinen Auszubildenden strukturiertes Arbeiten mit Systemverständis beizubringen. Ich kann nur ein System reparieren, wenn ich weiß, wie es funktioniert.

 

Hat sich auch die Dauer der Ausbildung aufgrund der umfangreicheren Ausbildungsverordnung erhöht?

AL: Nein. Es waren bei mir damals schon 3,5 Jahre und das sind es auch immernoch. Die Schwerpunkte wurden nur verlagert, bzw. Ausbildungsinhalte gestrichen.

 

Siehst du auch Nachteile in der Anpassung des Berufsbildes/Zusammenfassung zweier Berufe?

AL: Ja, wie oben schon erwähnt, fallen verschiedene Ausbildungsinhalte heraus. Aber gerade die sind oft auch wichtig für den Alltag in der Werkstatt. Dennoch war die Zusammenführung beider Berufe sehr wichtig, weil Elektrik und Mechanik in den heutigen Fahrzeugen so eng zusammengewachsen ist, dass es anders nicht mehr funktionieren würde.

 

Ist der Verdienst des Kfz-Mechatronikers (im Verhältnis betrachtet unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und zeitlichen Faktoren) höher aufgrund der gestiegenen Anforderungen?

AL: Nein. Leider war es damals wenig und ist auch heute noch wenig, zumindest unter Berücksichtigung der Verantwortung und des Wissens, was jeder einzelne haben muss, um ein Fahrzeug sachgemäß zu reparieren. So gesehen ist unsere Arbeit einfach unbezahlbar :-) Aber es ist ein toller Beruf, der wirklich Spaß macht.
Wir alle sind ja mit der Ausbildung nicht fertig, nur weil wir einen Gesellenbrief haben: Es wird ständig gelernt und geschult.

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